Meine Eindrücke von der Adlerjagd 2008.

Jagd:

Lange Zeit geschah nichts. Doch das Schauen hatte mich keine Minute gelangweilt. Jede Minute war mit Spannung erfüllt. Kommt das Reh? Kommt es jetzt? Da! Der Adler fliegt, die Falkner rennen los. Der Adler wirft das Reh um; ein heftiges Wirbeln und das Reh ist erlegt! Wenige Sekunden wo einem das Blut aufkocht und ein neues Gefühl sich einprägt. Nachher ist man ein anderer Mensch. Man sah das Leben wie es in den Tod hinübergeht. Kurz und relativ schmerzlos. Man empfindet natürlich Mitleid mit dem Reh, aber in einem so spannenden Moment (wo man gerade umgebracht wird), empfindet man keine Schmerzen. Die Beizjagd ist die natürlichste Art der Jagd. Der einzige Unterschied ist, dass der Mensch zuschaut. Es gibt im Leben Situationen wo „Recht gegen Recht“ steht. Das Reh hat ein Recht zu leben. Der Adler hat ein Recht seine Beute zu erlegen. „Recht gegen Recht“. Kein Kompromiss! Der Mensch sieht und lernt.


Menschen:

Ich freute mich die Grafen v. Norman u. v. Audenhove, Baron und Baronin von endlich persönlich kennengelernt zu haben. Ich kam mir unter den vielen mir unbekannten Leuten etwas verloren vor. Aber unsere Normannen sind perfekte Gastgeber! Ich fühlte mich durch ihre liebenswürdige Aufmerksamkeit ausgezeichnet. "Normannen mag man eben."

Der Adel ist die grösste Familie der Welt. Jeder kennt Jeden. Jeder hilft Jeden. Jeder duzt Jeden. Selbst Fürsten und niederer Adel sind per du. Wir haben den "Realen Sozialismus" verwirklicht!
Ich begleitete die . Bei der letzten Jagd erwies uns der ältere Graf Z. die Aufmerksamkeit ihn zu seinem Falkner begleiten zu dürfen. Graf Z. und Baron  redeten wenig, sie verstanden einander. „Grandseigneurs“ unter sich. Es war ein lehrreiches Gespräch; weniger was gesagt wurde, sondern was nicht gesagt werden musste. (Wie ein vornehmes Business-Gespräch. Man plaudert 20 Minuten lang über die Jagd und dann unterschreibt man einen 20 Millionen-Vertrag über Kühlaggregate.)
Den meisten jungen Gästen manifestierte sich ihr „Hochgeboren“ „wie angeboren“ im Gesichtsausdruck. Im privaten Gespräch waren sie natürlich von tadelloser Höflichkeit, manche sogar sehr nett. Auf dem zweiten Blick fand ich sie durchaus sympathisch.

Ich dachte wirklich ihren Rang im Gesicht ablesen zu können: „Der da ist ein Graf. Der ein Ritter…“ Es war ein unbestimmtes, aber starkes Gefühl… Ob ich`s erraten hätte? Ich urteile nicht, ich stelle nur fest. Mir als Aussenstehender fiel das natürlich auf und ich halte es für interessant genug um schriftlich festgehalten zu werden.

Oft ertönte der Ruf: „Den habe ich schon wo gesehen!“. „Ja, Sissi Teil III. Schicksalsjahre einer Kaiserin.“ fügte ich im Geiste hinzu. Die älteren Gäste waren wie Hofräte und englische Lords aus einem alten Sissi-Film. Sie waren von liebenswürdiger Einfachheit.

Ein besonderes Lob gebührt den engagierten Veranstaltern, den Grafen Z. Es war ein einzigartiges Erlebnis und eine Bereicherung meines Erfahrungsschatzes.

Die Landbevölkerung: Sie standen andächtig am Wegesrand und schauten uns zu. Sie sahen sich alle ähnlich, Mädels und Buben, pausbäckige rote Äpfel. Wie eine einzige grosse Familie! Als wir mit Graf Z. vorbeigingen sprach ihn eine alte Bäuerin freundlich, obwohl nicht ganz unmaliziös, auf seine „prominente Begleitung“ an. Der erfahrene Graf antwortete mit „spontaner“ Herzlichkeit. Hinter den freundlichen Bemerkungen der Bauern verbarg sich manch eine Stachel. Ich entsinne mich an ihre „harmlosen“ Bemerkungen, an ihre verschlagenen Blicke dahinter, mit denen sie meine Reaktion musterten. Ich liess sie stehen.

Abseits von der feisten Landbevölkerung im Winterspeck, eine unwirkliche Szenerie: Der junge Graf Z. mit seiner Freundin auf dem Schoss, ein Adler in der Hand. Ein zartes, dennoch archaisches Gesicht wie sein Vater; eine Allongeperücke hätte sie gekleidet. Sie sassen auf einem dünnen Jagdstuhl, wie in der Luft. Im Hintergrund die giftgrünen österreichischen Wiesen, die wogenden Hügel und das gelbe Schlossturm. Sie sassen wie unbeweglich, ihre Umwelt nicht hörend, nicht achtend, einer anderen Zeit zugehörig. Es wäre ein Leichtes gewesen die Idylle zu zerstören
Der diplomatische Graf Thomas bot mir während der Jagd seinen grünen Umhang an. Erst im Nachhinein ging mir ein Licht auf. Ich bin kein Jäger und ich besitze keine Jägerkluft. Meine Freunde erklärten, dass sie es zwar nicht schätzen, wenn sich irgendwelche Möchtegerns als Jäger kostümieren, aber bei solchen Anlässen repräsentiert man seine Familie. Zum Glück ist der Hochadel nicht kleinlich. "Kleider machen nur Spiessbürger".
Die Hügel sind wie grüne Meereswellen. Traumhaft schön. Man bekommt richtig Lust auf ein Urlaub am Meer!


Thomas Szabó de Szentjób

Familie & Freunde

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