Viele alte Schlösser, Burgen, Häuser verfügen über ein hauseigenes Gespenst welches zum Inventar gerechnet wird. Eine Gespenstergeschichte habe ich auch selber erlebt. Ich glaube nicht an Geister, aber das ist kein Grund die Geschichte nicht zu erzählen:
Totenkopf
Mittelalterlicher Totenschädel aus einer Hauskapelle.
Ein Freund besitzt ein sehr altes Haus in einer abgelegenen österreichischen Kleinstadt. Im Ort gibt es kaum neue Bauten und die Gegend ist angenehm ruhig und naturbelassen. Es ist das älteste Wohnhaus im Ort. Die steinernen Renaissance Fenster wurden während der 1960-er Jahre rausgeschlagen und durch kältedurchlässige Plastikfenster ersetzt. Die alten Steine sind zum Glück im Garten liegengeblieben und könnten wieder eingebaut werden! Die Dachziegel sind noch aus 1700 und im Haus sieht man noch die dunklen Brandspuren aus dem 30 Jährigem Krieg an den fetten, halben Meter breiten Holzbalken und den Sandsteinmauern. Dort wo es gebrannt hatte, sind die Steine rötlich verfärbt. Das Haus hat unbestreitbar Atmosphäre. Die Kellergewölbe sind teilweise vermauert, halb zugeschüttet und noch viel, viel älter!

Gerhard, der Freund bei dem ich manch ein Wochenende verbrachte, erzählte mir über seinen Hausgeist. Nach einem gemütlichen Abendessen im Gasthof sassen wir in seinem Wohnzimmer am offenen Kamin und verkosteten seine köstlichem Rot und Weissweine. Besser paar Gläschen zu viel als zu wenig. Von meinem bequemen Sofa aus bot sich eine beinahe atemberaubende Aussicht durch die Enfilade der düsteren Räume. Die Türen waren alle offen. Ein Zimmer nach dem Anderem, von jeder Decke ein Kristallleuchter. Das Ende im Finsternis.

Wir sassen gemütlich beieinander und tranken. Er erzählte mir, dass alle weiblichen Gäste, die im Gästezimmer übernachteten um Mitternacht herum aufwachten. Sie gingen in sein Zimmer, weckten ihn auf und teilten ihm folgendes mit: "Ich kann in diesem Zimmer nicht einschlafen. Da ist wer im Zimmer der mich beobachtet. Ich kann es nicht erklären. Ich fühle es!" Die männlichen Gäste dagegen schliefen die Nacht ungestört durch!

Ein Experte für Gespenster, keine Ahnung wie man die nennt, wurde gerufen und stellte folgendes fest: Im Haus befindet sich ein gutmütiger Geist aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648). Während der letzten 100 Jahre wohnten hier nur alte Frauen, bis Gerhard das Haus erwarb. Der Geist, ein Mann, freue sich über die Abwechselung endlich wieder junge Damen im Haus zu haben und setzt sich ins Gästezimmer ans Bett um sie zu beobachten. Er schaut ihnen beim Schlafen zu, sonst nichts. Er ist harmlos. Das sei die Erklärung der Vorkommnisse! Männer wurden vom Geist ja nie "belästigt". Ich verbürge mich für die Unbescholtenheit meines Freundes.

Das Gästezimmer wurde gerade renoviert, so übernachtete ich auf dem Sofa im Wohnzimmer. Gerhard ging in sein Zimmer ganz am anderen Ende der "Belle Etage". Ich schlief ein. Im Traum fühlte ich, dass mir wer die Füsse hochhob. Ganz hoch! Der Geist! Ein rundes grinsendes Gesicht! Ich fühlte ganz deutlich, dass er sich nur einen kleinen Spass erlaubte und mich nicht erschrecken wollte. Ich hatte keine Angst. Ich wachte auf, setzte mich auf und schaute mich im Zimmer um. Der Mond tauchte die Möbel in ein fahles, helles Leichentuch, ich spähte sogar in die entferntesten Ecken des grossen, weiten Raumes. Es war niemand im Zimmer. Stille im Haus.

Am nächsten Tag besprachen wir die Geschichte und stellten fest, dass Alkoholgenuss bei spiritistischen Sitzungen die Wahrscheinlichkeit und die Intensität von übernatürlichen Erscheinungen steigert. Daraufhin luden wir unseren Hausgeist offiziell zum Tee ein. Er ist der Einladung noch nicht nachgekommen. Wenn ich dort übernachte, werfe ich immer wieder einen Blick in den finsteren Garten oder verharre Minuten lang im Dunkeln und halte Ausschau nach unserem neuen Freund.
Gerhard wollte den Putz von der Wand seines zukünftigen Büros schlagen und entdeckte dabei spätgotische Malereien aus dem 15 Jahrhundert! Er hatte immer schon vermutet, dass dieses Zimmer mal eine Kapelle gewesen sei. Die Gemälde werden fachmännisch restauriert.
Es handelt sich um eine Kreuzigungsgruppe. Maria, Jesus und Johannes. 
Das Haus wurde in den 1960-er Jahren gründlich verunstaltet. Im Jahr 2000 erinnerte nichts mehr an den Originalzustand! Gerhard musste 300 Quadratmeter vollständig entrümpeln. Die alten Holzböden wurden vom Laminat befreit. Er riss die hässlichen Türen heraus. Die alten Deckenbalken wurden überhaupt erst entdeckt.

Die Wände waren mit einer dicken wasserfesten Ölfarbschicht überzogen, welches das Wasser in den Gemäuern festhielt. Das Haus konnte nicht "atmen". Es schimmelte! Der ganze Putz musste herunter. Nun ist das Haus staubtrocken und schimmelfrei!

Sehr alte Häuser "atmen". Sie sind nicht starr. Wände und Balken dehnen sich im Sommer etwas aus. Im Winter ziehen sie sich zusammen. Gerade wegen dieser Flexibilität entstehen keine Risse im Mauerwerk!

Anno 2000.

Besprechungszimmer.

Blick ins Büro.
Hinter dieser weissen Wand verbarg sich die Kreuzigungsgruppe.

Ich sah die Fotos vom Urzustand. Furchtbar! Kein Wunder, dass sich der Geist 100 Jahre lang nicht heim traute!

Fertig!
Beim Entrümpeln auf dem Heuboden fanden wir diesen Kinderschuh (Originalgröße) aus der Zeit um 1900. Das dazugehörige Kind fanden wir aber nicht.
Von der Treppe gefallen...


Thomas Szabó de Szentjób

Familie & Freunde

Home