Ich durfte die "Kaiserin", wie sie von vielen liebevoll genannt wird, den Weg von der Gedenkkapelle herab zum Wagen begleiten. 4 von uns trugen sie auf einem Tragstuhl den extrem steilen Weg herab. Sie sagte mir scherzhaft, ich solle sie nicht fallen lassen. Ich war besonders vorsichtig und setzte jeden meiner Schritte behutsam auf. Ich empfand es so, als ob ich die "Monarchie" auf den Schultern trüge. Es gibt eine Video davon, aber die ist rein privat.
Erzherzogin Regina von Österreich Prinzessin von Sachsen-Meiningen starb am 3 Februar 2010. Die Familie Habsburg ist sehr religiös: Erzherzogin Regina ist nicht einfach "für Immer von uns gegangen". Sie wurde vom Erdendienst abberufen und lebt im Himmel weiter. Für religiöse Menschen gibt es eigentlich kein Tod. Für sie gibt es keine ewige Trennung. Der Tod ist eine längere Reise. Atheisten haben es schwerer.
Montag 4.Juli.2011:
Ich empfand Otto v. Habsburg stets als „immer schon da“ und "ewig während". Ich assoziierte ihn nicht mit Sterblichkeit. Deshalb traf mich sein Tod unerwartet. 99 Jahre ist er geworden. 105 hätte ich ihm gewünscht. Ewig wird er leben.

Rabbiner Steven Langnas aus München begleitet Mustafa Cerić, den Großmufti von Bosnien-Herzegovina bei der Beerdigung des katholischen Erzherzogs. Ein symbolisches Bild!

Erzherzog Otto v. Österreich hatte sich für seinen letzen Weg einen sehr schönen Tag ausgesucht. Kaiserwetter! Alles war genauso prächtig wie bei der Beerdigung von Kaiser Franz Joseph, aber diesmal ohne die drückende Atmosphäre des Krieges. Undurchdringliche Fahnenwälder, unzählbare historische Uniformen, wehende Federbüsche und im Sonnenschein blitzende Orden. Die Gäste plauderten ungezwungen, manchmal lachte Einer auf, ohne, daß es pietätlos wirkte. Ich entdeckte im Trauerzug unseren Fürst v. Urach und klopfte ihm spontan und unprotokollarisch auf die Schulter.

Als der Trauerzug schliesslich zur Kaupuzinergruft einbog, stand ich an einer exponierter Stelle und die kaiserliche Familie schritt an mir vorbei. Die "Kaiserin" blickte mir fest in die Augen und deutete mit einer Kopfbewegung Richtung Kapuzinergruft. Ich verbeugte mich leicht. Ein Zufall, wir kennen uns nicht.

Nachher besetzten die uniformierten Ehrengarden die Cafés, plauderten und prosteten auf ihren Kaiser. Es war ein erhabener, heiterer Abschied, ein Lächeln lag in der Luft. Ich trank mit einem befreundeten Grafen zwei Bier am Graben. Hin und wieder stand er auf und begrüßte einen vorbeieilenden Vertreter eines der historischen Familien der ehemaligen Monarchie.



Thomas Szabó de Szentjób

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