Meine erste Schulklasse
Meine eigene IV Klasse 1935/36. Juni 1936.
Die strenge Lehrerin
Unheil bahnt sich an...

Als alte Frau war meine Grossmutter herzallerliebst! Fremde Leute die sie im Spital kennengelernt hatten, schwärmten von der hübschen, "süssen alten Dame". "So eine liebe Grossmutti hätten wir auch gerne" sagten sie. Tanti, ihre Tochter winkte nur ab: "Wenn sie Sie erzogen hätte, würden sie anders reden".

Ich habe nur ihre "Zuckerseite" kennengelernt. 

Nie sah ich sie zornig. Doch ein einziges mal im Leben erlebte ich meine Grossmutter als "Lehrerin". Folgendes Erlebniss trug sich ein paar Jahre vor ihrem Tod zu. Sie musste an die 86 Jahre alt gewesen sein.

Sie fragte immer nach zerrissenen Kleidern um sie auszubessern. Sie vertrat die Ansicht ihrer Jugendzeit, zerrissene Kleider seien eine Schande. Einmal sah ich meine Grossmutter einen meinen teuren 150-€ Markenhemden ausbessern. Es war ein rein schwarzes Hemd, schlicht und elegant. Es war leicht angerissen und Grossmutter war gerade dabei einen Stück andersfarbigen Stoff draufzunähen. "Um Gottes willen!" Dachte ich mir und versuchte ihr das Hemd, wohlgemerkt höflichst, aus der Hand zu nehmen.

Sie warf mir nur einen kurzen Blick zu. Aber was für einen! Mir gefror das Blut in den Adern! In dieser halben Sekunde "begriff" ich, dass diese Frau kein Spass verstand! Ich war längst Erwachsen. Aber nicht in diesem Augenblick! Ich liess ihr das Hemd.

Ich fand mich schleunigst mit dem reizenden andersfarbigen Fleck ab. Ich überzeugte mich in Sekundenschnelle, dass es mir gefiel.

Ein Sekunde später war sie entzückend wie immer! Seit diesem Erlebniss glaube ich einen Begriff davon zu haben, was ihre Kinder meinen. Das Foto oben gibt einen Eindruck von ihrem "bösen Blick". Dieses Erlebniss hat sich tief in mein Gedächtnis eingegraben.
Holzhacken
Grossmutter hielt die Familie mit eiserner Hand zusammen.

Solange sie lebte, wäre kein Familienmitglied je auf den abwegigen Gedanken gekommen, das Wochenende nicht bei Grossmutter auf dem Land zu verbringen. Alle kamen wie selbstverständlich. Meine Mutter und meine Tanten halfen bei der Gartenarbeit und in der Küche. Wir, die Kinder spielten im Garten. Alle hatten ihre Beschäftigung.

Man kann Grossmutter einiges nachsagen. Doch eines halten ihr alle zugute: Solange Grossmutter lebte, gab es "eine Familie". Nach Grossmutters Tod fiel die Familie auseinander um nie wieder zusammenzufinden.

Die meisten Mitglieder meiner ehemaligen Familie sind mir inzwischen vollkommen fremd. Viele ehemals enge Angehörige haben sich einander vollkommen entfremdet. Was würde Grossmutter dazu sagen?!
Mutter und Tochter
"Was man mit 3 Jahren nicht lernt, das lernt man nie"
Grossmutter sagte: "Was man in der frühen Jugend nicht beigebracht bekommt, wird man im späteren Leben nie mehr lernen können". Ihre Tochter Tanti akzeptiert Grossmutters Aussage mit Anerkennung und Bauchschmerzen. Es war kein Zuckerschlecken... Als Lehrerin war Grossmutter sehr streng, sehr unnachgiebig und sehr gut. Sie hat mir das kleine Einmaleins beigebracht. Ich rechne immer noch mit ihrem System.
Etwas Humor hatte sie doch...
Na, etwas Spass verstand sie doch.


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