Geheimdienstbericht

Ungarische. königliche. Budapest I. Polizeibezirk.

1. Detektiv. Unterabteilung 

Nr: 2459

B.-1938

Angelegenheit: Szabó Georg aus Üllö

An die örtliche Polizeiwache

Üllö.

Budapest 2. 11. 1938

Anhand diskreter Informationen ist Szabó Georg 35-40 Jahre/ Üllö / malom u.(Mühlen Gasse) bei der Tschechoslovakischen Schiffahrt angestellt, seine Frau arbeitet als Lehrerin. Genannter spricht: ungarisch, tschechisch, slovakisch, deutsch, englisch, französisch. Vor Jahren galt er als Eigenbrödler. Er verkehrte kaum mit Menschen. Als man ihn von verschiedenen Stellen aus nachforschte, erfuhr er irgendwie davon und änderte sich schlagartig. Seit ca. 2 Jahren begann er ein Gesellschafts Leben zu führen. Sie geben auffällig viel Geld aus. Er kaufte ein Haus auf 6000 Pengö Kredit. Sie wechseln ihre Möbel alle 2 Jahre. Seine Frau kleidet sich auffällig. Sie erscheinen auf den Festivitäten der Tschechischen Botschaft. Sie beziehen von dort Heizmaterial und Kleider. Angeblich ist er Artillerie Oberleutnant der Reserve und vereidigter Notar. Vor den Bewohnern der Geminde gilt er als "K"(Spion heisst auf ungarisch: Kém) Verdächtiger. In der Gemeide Üllö geht das Gerücht um, dass als die Einbeziehungen zum Militär begannen, er in Haft gewesen sein soll. In Anbetracht dessen, dass er mit der tschechischen Botschaft in Verbindung steht, ist anzunehmen, dass er sich auch mit "K" Angelegenheiten abgibt. 
Forschen sie diskret und unauffällig nach, ob diese Angaben der Wahrheit entsprechen, machen sie eine Umgebungsstudie und berichten sie die Ergebnisse hierhin.

Detektiv. Unterabteilungskommandant

Anonyme Anzeige gegen Grossvater 1938.
Anzeige gegen Szabó Georg / :1898. Budapest: /Üllö, Malom Gasse. Bewohner tschechischer Staatsbürger, dass er (angeblich) die Gesellschaft von Offizieren sucht und von unbekannte Stelle grössere Geldsummen erhält. Lassen sie Szabó diskret beobachten, mit wem er verkehrt und ob sich ein Verdacht gegen ihm erheben könnte. Melden sie die Ergebnisse ihrer Beobachtungen bis zum 10.11.


Geheimdienstbericht 1938 über meinen Grossvater.
Szabó Georg geboren: 17. 03. 1898 in Budapest, Vater: Béla, Mutter: Radeczki Antónia, rk, Verheiratet, Privat-Angestellter, Artillerie Oberleutnant der Reserve, Wohnhaft in Üllö Malom u. 6, ist seit 1930 bei der Tschechoslovakischen Donauschiffahrt als Private-Angestellter/:Kassier:/ beschäftigt. 
Genannter war vor Jahren wirklich ein in sich verschlossener Mensch gewesen, er bagann nur während der letzten 2 Jahre ein Gesellschaftsleben zu führen. Seine Frau und er kleiden sich auffällig elegant, seine Frau ist römisch-katholische Grundschullehrerin, er spricht: ungarisch, tschechisch, slovakisch, deutsch, englisch und französisch. Es entspricht ebenso der Wahrheit, dass er und seine Gattin an den Festen der tschechischen Botschaft zu erscheinen pflegen. Sie beziehen Heizmaterial und Kleider von dort. Den Bewohnern der Gemeinde ist er wirklich verdächtig. Umso mehr als dass, er und seine Gattin sich äusserst elegant kleiden und dass, sie für ihr Haus das sie um 6000 pengö erworben haben schon 4000 Pengö zurück gezahlt haben und es ist mit den der neuesten Mode entsprechenden Möbeln ausgestattet. Er trägt immer einen Fotoapparat bei sich. Jeden Tag fährt er um 19 Uhr 30 nach Budapest und kommt mit dem um 19 Uhr 15 ankommenden Zug heim. Angeblich erzählte seine Frau einen ihren Koleginnen, dass er schon mal verhaftet gewesen sein soll.
Während der Wiener Verhandlungen, als die Mitglieder des Üllö-er Tenis-Klubbs davon erzählten, dass wir Kaschau zurück erhalten, soll er ganz aus der Fassung geraten sein und gesagt haben, dass das volkommen unmöglich sei. Als die Entscheidung fiel, war er in ganz gedrückter Stimung. Anhand oben Genanntem ist der Verdacht begründet, dass er sich auch mit "K" Sachen abgibt. Ansonsten liessen sich hier keine ihm belastenden Angaben finden.


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