1929

Er besass über 5000 Bücher in:
Ungarisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Tschechisch, Slowakisch und Latein.

Nach dem zweiten Weltkrieg kam der Kommunismus. Man konnte nicht mehr ins westliche Ausland reisen. Grossvater fuhr jeden morgen mit dem Zug nach Budapest zur Arbeit. Auf der Hinfahrt las er immer ein englisches Buch, auf dem Rückweg las er französisch. So bewahrte er seine nun "unnütz" gewordenen Sprachkenntnisse vor dem Einrosten!

Die Bücher wurden später aus Platzgründen verkauft und an Freunde und Familie verschenkt. Ich erinnere mich noch, daß sie bei uns in dreierreihen in den Regalen standen. Später staunte ich über die massen von Bücher in den Häusern unserer Freunde: "Woher habt Ihr so viele Bücher?" "Ja, das waren Eure Bücher gewesen."

Bernhard Shaw Brevarium
Die Zeichnung auf dem ehemaligen Buchumschlag stammt wohl aus Grossvaters Feder. Anscheinend mochte er Bernhard Shaw.
Toncsi & Gyurka
Toncsi & Gyurka
Tanti erinnert sich: ´Als wir Kinder waren, kümmerte sich Vater nicht so viel um uns. Er hatte Kindern nicht viel zu sagen. Er blieb ´unter sich´. Später als Erwachsener wurde er mein bester Freund. Man konnte sich ihm so gut anvertrauen. Er missbrauchte nie das in ihm gesetzte Vertrauen! Jeder mochte ihn seiner selbst willen und achtete ihn wegen seiner Vernunft. Thomas Mann und all die hohe Literatur versuchte er mir aber vergeblich näher zu bringen. Ich bleibe bei meinen Jungmädchenromanen!´

Grossvater vererbte seine Liebe zur Literatur nur an Vater. Vater vererbte sie mir. Ich nahm sie schon sehr früh dankbar an.
Grossvater liest die Zeitung
Wer stört?
Wer stört?
Meine Grossletern lesen gemeinsam die Zeitung.
Militärausweis meines Grossvaters
Name der Mutter: Radeczki Antónia. Der ´y´ galt während der 50-er Jahre als ´adelig´ und war verpönt.
Seine Tochter Antónia (Toncsi, Tanti) erinnert sich: ´Als alter Mann besuchte er mich jeden Tag routienemässig in der Bank. Zur gegebenen Stunde schauten die Mädels aus dem Fenster und als sie seiner ansichtig wurden, sagten sie, dass es Zeit sei den Kaffe aufzusetzen. Vater liess sich gemütlich nieder, erzählte seine notorischen Witze und verabschiedete sich nach einer heiteren viertel Stunde.´
Ich erinnere mich noch recht verschwommen an ihn. Dieses Bild betrachtend, denke ich, dass er mir nicht ganz unbekannt vorkommt Als kleines Kind schwärmte ich eine Zeit lang für die Stromabnehmer von Strassenbahnen. Ich erinnere mich, dass mir dieser liebenswürdig lächelnde alte Mann einen kleinen selbstgebauten Stromabnehmer aus braun lackiertem Holz in die Hand gab. Er hatte sie mir gebastelt. Man konnte sie auf und zusammenklappen. Ich erinnere mich erstaunlich gut an das Ding. Dabei war ich damals höchstens 3 Jahre alt!
Eine Zeit lang sammelte ich Plastikbecher. Einmal weinte ich, weil ich mich vesehentlich auf einen gesetzt habe und es zerquetschte.


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